Kleine Übersicht zu Flex- und Flockfolien

Ich hab mich in letzter Zeit ziemlich intensiv mit Flex- und Flockfolien auseinandergesetzt. Ich möchte hier mal einige Ergebnisse meiner Recherchen und unserer bisherigen Erfahrungen posten.

Zur den haptischen und optischen Eigenschaften von Flex- & Flockfolien

Je dicker Flex- bzw. Fleckfolien sind, desto stärker beeinflussen sie den Tragekomfort der bedruckten Textilien – das gilt umso mehr, je großflächiger das Druckmotiv ist.

Die Dicke von Flockfolien ist gleichbedeutend mit der Länge der Flockfasern und damit dem erwünschten, samtigen Griff: je dicker die Folie (und länger die Fasern), desto flauschiger werden die Drucke. Üblich sind Faserlängen zwischen 0,55 und 0,75 Millimeter. Wir haben probeweise auch einmal Flockfolie mit einer Faserlänge von 1 Millimeter gekauft. Die ist zwar durchaus sehr flauschig, nur leider ist sie zu dick für unseren Plotter… wir können die Folie also gar nicht verarbeiten, deswegen findet ihr sie auch nicht auf unserer Website.

Bei Flexfolien zählt im Grunde nur die Optik – in Bezug auf deren haptische Eigenschaften gilt: je unauffälliger desto besser; im Optimalfall würde man sie also gar nicht spüren. Das heißt, gute Flexfolien sollten so dünn wie möglich sein (üblich ist derzeit eine Dicke zwischen 0,05 und 0,1 Millimeter) und zugleich über einen weichen, textilen Griff verfügen.

Wir haben Flexfolien von mehreren HerstellerInnen lagernd und versuchen seit Beginn des Projekts herauszufinden, welche die besten sind. Mein bisheriger Eindruck ist der, dass die dünnsten Folien (die Hotmark-Folien von der Firma Chemica S.A.S. mit einer Dicke zwischen 0,05 und 0,06 Millimeter – bei uns sind das die Folien Bordeauxrot, Pastellgrün, Grün, Hellelfenbein und Hellgrau) bereits nach der ersten Wäsche zerknittert aussehen. Es ist wohl Geschmacksache, ob man damit ein Problem hat oder den Effekt sogar mag – ich kann mich eher weniger dafür begeistern und möchte die Folien daher auch nicht mehr bestellen. Die etwas dickeren Folien (die Poli-Flex Premium Folien der POLI-TAPE Klebefolien GmbH mit einer Dicke von 0,1 Millimeter – das sind bei uns fast alle oben nicht genannten Flexfolien) verändern ihr Aussehen nach dem Waschen kaum und haben außerdem einen viel angenehmeren Griff; ihre Oberfläche ist matter.

Zur Elastizität der Folien

Man könnte meinen, die Elastizität der Folien wäre nur insofern wichtig, damit die Folie bei einer Dehnung des Gewebes nicht reißt (was ich übrigens noch nie erlebt habe) – stimmt nicht. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir bemerkt haben, dass unsere – frühere – weiße Flexfolie bei bestimmten Motiven (vor allem mit relativ dünnen Linien) nach dem Waschen “Wellen schlägt”… Ich werde versuchen, in nächster Zeit ein Foto davon zu machen und online zu stellen, damit ihr euch mehr darunter vorstellen könnt.

Wir werden auch diese Folien nicht mehr kaufen, natürlich haben wir aber noch Restbestände… Derzeit sind das nur noch die Farben Goldgelb und Rot (das sind gleichzeitig die einzigen Flexfolien, bei denen ich den/die HerstellerIn trotz intensiver Recherche nicht herausfinden konnte – auf Anfrage bei unserem Händler, der Alphaset Handelsges.m.b.H wurde mir nur gesagt, dass es sich um “einen europäischen Hersteller” handelt… whatever…).

Zum Material und der Schadstoffprüfung

Der Trägerfolie (die ihr als Kunden nie zu Gesicht bekommt) ist bei praktisch allen Flex- und Flockfolien aus PET (also Polyethylenterephthalat) – ja, das ist das Material aus dem auch die bekannten PET-Flaschen sind. Bei dem Schmelzkleber, mit dem das Motiv auf dem Textil fixiert wird, handelt es sich meistens um einen Polyurethan-Klebstoff.

Die Farbschicht ist bei normalen Flexfolien entweder eine Polyvinylchlorid- (PVC-) oder eine Polyurethan-Folie, unsere Folien sind ausschließlich aus zweiterem Material. Bei Flockfolien besteht die Farbschicht aus Viskose-Flockfasern. Bei besonderen Flexfolien mit speziellen optischen Eigenschaften (z.B. nachleuchtende bzw. Reflektorfolien) kommen viele andere Materialien zum Einsatz: Metalle, mineralische Partikel u.v.m.

Einige Flex- und Flockfolien sind von unabhängigen Instituten schadstoffgeprüft und nach Öko-Tex Standard 100 zertifiziert. Wir wollen (durchaus auch aus Eigeninteresse – immerhin arbeiten wir die ganze Zeit mit den Folien) nach und nach alle Folien die nicht nach dem Standard zertifiziert sind loswerden; d.h. wir werden nur solche nachkaufen, die nach Öko-Tex 100 zertifiziert sind. Dabei bevorzugen wir natürlich jene Folien, die der höchsten Klasse des Standards entsprechen (also Klasse I). Derzeit sind fast alle unsere Flexfolien entweder nach Öko-Tex Standard Klasse I oder Klasse II zertifiziert, bei den Flockfolien ist der Anteil der geprüften Folien leider noch relativ gering.

Herkunft der Folien sowie soziale und ökologische Aspekte

Die Herkunft unserer Folien haben wir auf den Seiten zu den jeweiligen Folien ausgewiesen (da findet ihr sowohl HändlerInnen als auch HerstellerInnen) – die meisten kommen aus Deutschland (von der Firma POLI-TAPE Klebefolien GmbH), deutlich weniger aus Frankreich (von der Firma Chemica S.A.S.) und einige wenige aus Italien (von der Firma Siser). Wir beziehen die Folien aller dieser HerstellerInnen über die Alphaset Handelsges.m.b.H. (Wien, 21. Bezirk).

Abseits von der Herkunft – die uns in Hinblick auf arbeitsrechtliche und ökologische Mindeststandards aufgrund der in diesen Ländern geltenden Gesetzgebungen zumindest die schlimmsten Zustände ausschließen lässt – wissen wir (noch) gar nichts in Bezug auf soziale und ökologische Aspekte bei der Produktion. Beteuerungen der HerstellerInnen in deren Werbetexten, dass die Folien “ökologisch unbedenklich” sind, ist natürlich nicht mehr Wert beizumessen als dem Papier auf dem sie verbreitet werden…

An Transparenz in Bezug auf die Produktionsprozesse ist nicht zu denken, insofern wären hier Zertifikate mal ein erster Schritt, beispielsweise Zertifizierungen nach Öko-Tex Standard 1000 (damit werden umweltfreundliche Betriebsstätten ausgezeichnet). Was soziale Aspekte betrifft machen grundsätzlich Kontakte zu BetriebsrätInnen immer Sinn, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt reines Wunschdenken. Also in diesem Bereich gäbe es noch einiges zu recherchieren und zu tun.

Unsere derzeitigen Favoriten

Wie man merkt, sind wir noch in einem recht frühen Stadium und haben uns bis vor kurzem in Bezug auf die Folien einmal recht grob orientieren müssen – mittlerweile haben wir aber doch recht klare Favoriten und müssen nicht bei jeder Folien-Bestellung erst lange überlegen, welche wir jetzt eigentlich nehmen sollen.

Bei Flexfolien sind unsere Favoriten derzeit ziemlich klar die (schon oben verlinkten) Poli-Flex Premium Folien der POLI-TAPE Klebefolien GmbH. Die Folien haben einen sehr angenehmen weichen Griff und der macht wett, dass die Folien relativ dick sind; optisch sehen sie mit ihrer matten Oberfläche definitiv am besten aus. Und abgesehen davon sind die Folien nach Öko-Tex Standard 100 (Klasse I) zertifiziert.

Bei Flockfolien schwanken wir noch etwas, aber derzeit sind wir wohl am besten mit den (auch oben bereits verlinkten) Upperflok-Folien von der Firma Chemica S.A.S. bedient… Die qualitativen Unterschiede zwischen den einzelnen HerstellerInnen sind (soweit ich das bisher feststellen konnte) nicht so groß wie bei Flexfolien und im Gegensatz zu den Poli-Flock Folien der Firma POLI-TAPE sind die Upperflok-Folien nach Öko-Tex Standard 100 (ich glaube Klasse II) zertifiziert.

Noch eine kleine Anmerkung…

Es ist extrem aufwändig, sich einen Überblick über die verfügbaren Folien zu verschaffen, weil die HändlerInnen die Folien nicht unter den HerstellerInnen-Bezeichnungen verkaufen, sondern einfach eigene Namen kreieren – ernsthaft. Dadurch ist natürlich auch ein rascher Preisvergleich unmöglich. Sollte jemand wissen worin der Sinn dieser Verwirrung liegt, freu ich mich über Hinweise.

Die HändlerInnen vergeben also neue Namen und reduzieren dann absurder Weise auch noch die den KundInnen zur Verfügung gestellten Informationen über die Folien. Statt einer exakten Angabe der Dicke (wie auf den HerstellerInnen-Websites) heißt es dann “sehr dünne … Folie”?! Ganz so als könnte man mit dieser Floskel auch nur irgendetwas anfangen – alle Flexfolien sind nunmal sehr dünn… Naja, das nur als kleine Anekdote zum Schluss.

Drucktechnik | Veröffentlicht am: 27. Juni 2011, von Stefan

Einen Kommentar schreiben