Hintergrund

In den Kategorien (siehe links) sowie deren Subkategorien solltet ihr im Optimalfall alle relevanten Informationen rund um das Projekt finden – derzeit sind es nur sehr wenige Artikel zu einigen Bereichen.

Dieser Teil der Website wird nie fertig sein. Trotzdem: Wartet nicht einfach drauf dass wir einen Artikel schreiben, sondern postet einfach einen Kommentar wenn ihr was nicht findet das euch interessieren würde. Wir wissen eh nicht wo wir anfangen sollen. ;)

Ein Experiment mit ganz gewöhnlichen T-Shirts…

common·shirts ist ein Textildruck-Projekt in Wien, mit dem wir uns einen Rahmen zum Experimentieren mit alternativen Formen des Wirtschaftens schaffen wollen. Angefangen hat alles mit den – damals über das Cafe Libertad Kollektiv vertriebenen – T-Shirts der selbstverwalteten Nähereikooperative Nueva Vida FairTradeZone und unserem Wunsch, unsere Zeit nicht ewig mit mehr oder weniger sinnentleerter Lohnarbeit zu verbringen.

Auch in emanzipatorischen & gesellschaftskritischen Zusammenhängen sind bedruckte T-Shirts relativ weit verbreitet. Und fast immer kommen diese T-Shirts aus einer Form der Produktion, die uns alle zum Kotzen bringt – zumindest wenn wir mal etwas darüber erfahren (die Clean Clothes Kampagne hat viele Informationen zu diesem Thema zusammengetragen). Deswegen eignet sich der Bereich Textilhandel & -druck ganz gut dafür, mit alternativen Formen von ‘Hardware’-Produktion zu experimentieren – kurz: wir glauben ganz einfach dass es genug Leute gibt, die lieber halbwegs vertretbar produzierte T-Shirts tragen würden.

Es geht uns aber nicht darum eine Marktlücke zu schließen – dir ein gutes Gewissen zu verkaufen & uns zu zwei ‘erfolgreichen Jungunternehmern’ zu machen. Wir wollen uns mit Fragen beschäftigen die uns auch wirklich interessieren & dir und allen anderen möglichst viele Anknüpfungspunkte bieten, selbst herum zu experimentieren. Deswegen ist ein wesentliches Ziel unseres Projekts die möglichst weitreichende Transparenz aller Vorgänge. Mehr Infos findest du auf der Seite Hintergrund.

Grundsätzliches: Fragmente eines Konzeptes

Arbeit ist nicht gleich Tätigkeit

Es gibt Arbeit, die niemand über längere Zeit freiwillig machen würde, weil sie der/dem Produzentin/Produzenten unmittelbar nichts bringt. Andererseits gibt es aber sehr wohl auch Tätigkeiten, die unmittelbar – zumindest für einige Leute eine Zeit lang – befriedigend, bereichernd sind.

Es macht durchaus Sinn diese Unterscheidung zu treffen. Arbeit, die niemand um ihrer selbst willen machen möchte, wirft eine bestimmte Problematik auf: Irgendwie müssen Menschen sich dazu bringen bzw. dazu gebracht werden, diese Arbeit zu verrichten – durch irgendein Anreizsystem, in der Regel durch Formen von Zwang.

Für Tätigkeiten jedoch, die auch freiwillig ausgeführt würden, braucht es grundsätzlich kein spezielles Anreizsystem. Die primäre Problematik steckt bei diesen ganz wo anders: Wie können die Produkte dieser Tätigkeiten (die von den ProduzentInnen um ihrer selbst willen geschaffen wurden) für andere zugänglich, verwendbar, nützlich gemacht werden?

Zur Produktionsweise Freier Software

Projekte wie beispielsweise Wikipedia, OpenStreetMap und all jene im Bereich der Freien Software zeigen, dass es auf Grundlage des heutigen Standes der Produktivkraftentwicklung möglich ist, dass solche Tätigkeiten derart organisiert werden, dass sie nicht nur für die ProduzentInnen selbst, sondern auch für potentiell alle anderen einen enorm hohen Nutzen haben.

In den letzten Jahren wird immer deutlicher, dass die Produktion in den genannten Bereichen auf diese Weise besser organisiert werden kann als mit Hilfe bzw. auf Grundlage von Zwangsmechanismen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war aber nicht das ethische Urteil, dass Selbstentfaltung als Handlungsanreiz jeglichen Formen von Zwang vorzuziehen ist, sondern schlicht und einfach das Bedürfnis der einzelnen PartizipientInnen, etwas für sie Identitäts- und Sinnstiftendes zu tun.

Es gibt auch gar kein übergeordnetes Subjekt, das ein derartiges ethisches Urteil gefällt und zur Grundlage einer Organisationsform gemacht hätte – diese Produktionsweise ist vielmehr im ‘Chaos des Internet’ durch Selbstorganisationsprozesse entstanden.

Ohne großartige ideologische Absicht werden hier immer größere Bereiche vergesellschaftet, denn die auf diese Weise produzierten Produkte bzw. Produktionsmittel sind gemeinfrei – schließlich möchte man, dass die Produkte der eigenen Tätigkeit, mit denen man sich identifiziert, in denen man sich wiederfindet, von möglichst vielen genutzt werden und gleichzeitig will man auch selbst auf die Produkte anderer ohne jegliche Einschränkung zurückgreifen können.

So what?

Aus einem emanzipatorischen Blickwinkel stellt sich die Frage, ob derartige Selbstorganisationsprozesse auch in anderen Bereichen der Produktion denkbar sind. Was gibt es aus einer solchen Perspektive schließlich verlockenderes, als die Utopie einer Gesellschaft, in der die Selbstentfaltung der/des Einzelnen die Bedingung für die Entfaltung aller ist – und ebenso umgekehrt?

Der experimentelle Charakter von common·shirts bezieht sich also auf diese Frage der Übertragbarkeit der Produktionsweise Freier Software auf andere Bereiche. Durch größtmögliche Transparenz aller Vorgänge einerseits und die Ausrichtung des Projekts nach Sinnkriterien (anstelle einer absurden Profitorientierung) andererseits wollen wir möglichst viele Ansatzpunkte für die Partizipation der (bzw. eine Übernahme von Sub-Projekten durch die) Community schaffen.

Zu monotoner Arbeit

Ein Bereich, in dem Selbstentfaltung als Handlungsantrieb undenkbar ist und auch bleibt, ist jener der monotonen Tätigkeiten. Niemand wird nach dem Abheben von 100 oder 1.000 T-Shirt Motiven noch großartige Freude daran haben. Und niemand wird – wenn er/sie ein T-Shirt haben will – lange warten wollen bis sich jemand findet, der gerade Lust auf ein bisschen monotone Arbeit hat.

Einige der für die Produktion von bedruckten T-Shirts notwendigen Tätigkeiten brauchen daher einen Anreiz (das gilt natürlich genauso für Bereiche in der Produktion aller anderen materiellen Güter); dazu gehört beispielsweise der massenhafte Anbau & die Ernte von Baumwolle ebenso wie das Nähen von T-Shirts oder das manuelle Bedrucken derselben. Monotone Tätigkeiten wie diese sind nicht als Befriedigung eines Bedürfnisses zu verstehen – sondern nur als Mittel, um andere Bedürfnisse zu befriedigen.

Eben als solche sind sie auch zu behandeln. In den gegebenen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen heißt das: Monotone Arbeit gehört vernünftig entlohnt. Wir denken, dass möglichst transparent arbeitende Produktivgenossenschaften die beste Struktur für diesen Zweck bieten, weil Genossenschaften rein strukturell nicht auf Profit zum Selbstzweck ausgerichtet sind, sondern zum Nutzen aller Genossenschaftsmitglieder bestehen. Die ArbeiterInnen verfügen selbst über die Produktionsmittel & können eigenständig über ihre Löhne und Arbeitsbedingungen bestimmen.

common·shirts als Hybrid

Perspektivisch streben wir selbst eine Produktivgenossenschaft an, die in die Community (oder anders ausgedrückt: in etliche Communities) eingebettet ist (bzw. von etlichen Commnuities durchzogen wird). Einerseits sind große Teile unserer Produktionsmittel von der Community produziert (z.B. WordPress, Ubuntu, Inkscape, GroupOffice etc.), andererseits sind im Rahmen von common·shirts schon etliche Ideen für Community-Projekte aufgekommen, die es zu initiieren gilt (z.B. die Entwicklung eines freien Treibers für unseren Schneideplotter, eine umfassende Dokumentation unserer Produktion, buzzshirt etc.).

Und ja – auch wir wollen für monotone Arbeit (den T-Shirt Druck) entlohnt werden. Und zwar so, dass wir davon leben können. Aber nein, wir wollen nicht für diesen Text oder die Dokumentation unserer Produktion entlohnt werden – diese Dinge tun wir, weil wir sie für richtig halten.

common·shirts ist also der Versuch einer Mischform von community-basierender und produktivgenossenschaftlicher Produktion. Sinn und Zweck des Projekts ist, der Community möglichst viele Ansatzpunkte zu bieten bzw. ihr Tore zu einem Bereich der Produktion materieller Güter zu öffnen um zu sehen bzw. zu zeigen, wozu sie fähig ist.

Letzte Seiten Aktualisierung am: 5. Oktober 2011


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