Plotten mit Freier Software (1)
Wir wollen natürlich auch in der unmittelbaren Produktion (also beim Plotten) ausschließlich Freie Software verwenden. Leider gibt es keinen Plotter, für den freie Treiber existieren würden – es gibt in dem Bereich ja noch nicht einmal Hersteller, die propritäre Treiber für GNU/Linux-Systeme zur Verfügung stellen würden.
Meine derzeitig Situation ist jedenfalls nicht lange aufrechtzuerhalten: Ich arbeite auf Ubuntu mit Inkscape, wechsle dann in eine virtuelle Maschine (die prorietäre Version von Sun VirtualBox) auf der Windows XP und das, mit dem Plotter mitgelieferte, Programm ROBO Master-Pro installiert sind – und von dort aus plotte ich dann. Abgesehen davon dass der ganze Vorgang absurd ist & Zeit kostet, ist ROBO Master-Pro wirklich ein absoluter Dreck.
Das soll nicht heißen, dass mit dem Plotter (dem Graphtec CE5000-60) nur absolute Drecks-Software mitgeliefert wird. Im Lieferumfang enthalten ist auch ein Plugin für Adobe Illustrator & CorelDraw (genannt Cutting Master 2), das nicht so schlecht ist und vorführt, was software-seitig grundsätzlich möglich ist. Aber nachdem ich wirklich kein Interesse daran hab, mir die Lizenzen für unfreie Software zu kaufen die nicht einmal auf meinem Betriebssystem läuft, ist das sicher keine Lösung.
Alles, was ich bräuchte, wäre ein freier Gerätetreiber & ein Plugin für Inkscape (ähnlich dem Cutting Master 2) – und ich könnte ausschließlich mit Freier Software arbeiten.
Erster Versuch mit graphtecprint
Nun gibt es ein Projekt mit dem vielversprechenden Namen graphtecprint – ich habe ein bisschen damit herum experimentiert, hab aber leider außer einem Blinken der LED damit keinerlei Reaktion beim Plotter hervorrufen können.
Das Programm ist als Inkscape-Plugin angelegt. Es konvertiert die SVGs in die Graphtec-Seitenbeschreibungssprache GP-GL (Graphtec Plotter Graphics Language) und schickt das dann zum Plotter. Ich hab keine Ahnung warum das bei mir so gar nicht funktioniert, vorerst hab ichs aber jedenfalls mal bei diesem Versuch belassen.
Zweiter Versuch mit HP-GL Export aus Inkscape
Unser Plotter unterstützt zum Glück neben der schlecht bis gar nicht dokumentierten Graphtec-eigenen Seitenbeschreibungssprache GP-GL auch die gut dokumentierte Hewlett Packard Graphic Language (HP-GL) – genauer gesagt die weiter entwickelte Variante HP-GL/2.
Inkscape unterstützt in der aktuellen Version den Export ins HPGL-Format. Im Inkscape-Wiki gibt es eine Seite, die sich der direkten Ausgabe auf Schneideplotter widmet.
Gemeinsam mit Martin, der uns unter anderem auch gerade mit der Programmierung eines freien SVG T-Shirt Designers unterstützt, hab ich versucht eine solche Datei direkt an den Plotter zu schicken – was teilweise (wenn wir die SVG-Dateien vorher etwas ‘bereinigt’ haben) auch gut funktioniert hat.
Dritter Versuch mit dem HPGL-Destiller
Gestern habe ich dann das HPGL-Destiller Projekt entdeckt. Dabei geht es darum, gewisse – für Schneideplotter nicht relevante – Aspekte aus HPGL-Dateien zu filtern. Ich habe das gestern mit einigen Dateien ausprobiert: Ich hab die SVGs mit Hilfe von pstoedit zu HPGL-Dateien konvertiert, diese dann durch den HPGL-Destiller laufen lassen & an den Plotter geschickt.
Im Vergleich zu unserem ersten Versuch ohne HPGL-Destiller war das ein echter Fortschritt, weil ich die SVGs nicht lange manuell ‘bereinigen’ musste & das Ergebnis dann trotzdem gepasst hat. Das einzige was ziemlich nervt ist, dass der Plotter nach dem Plotten nicht zur Ausgangsposition zurückkehrt, sondern versucht die ‘Seite auszuwerfen’ – was in der Praxis bedeutet, dass er die ganze Rolle nachzieht & man ihn nur manuell stoppen kann.
Ich werde den Weg über den HPGL-Destiller kommende Woche weiter testen & die Ergebnisse (wenn es halbwegs interessante Ergebnisse gibt) hier posten.
Hardware, Software, Technik | Veröffentlicht am: 7. Februar 2010, von Stefan
